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Persönlichkeiten der Gemeinde Mühlhausen i.T.

Carl Allmendinger alias "Felix Nabor" und Hermann Allmendinger waren zwei bedeutende Personen aus Mühlhausen im Täle, die das kulturelle Leben im Ort zu ihrer Zeit stark prägten. Im Folgenden möchten wir Ihnen beide vorstellen:

Carl Allmendinger alias "Felix Nabor"

Der Name Felix Nabor diente als Pseudonym für die schriftstellerischen Arbeiten eines gebürtigen Mühlhauseners. Carl Boromäus Allmendinger wurde am 13. Oktober 1863 in Mühlhausen geboren. Carl Allmendinger war in Mühlhausen die ersten Jahre zur Schule gegangen. Auf den Rat seines hiesigen Lehrers "wurde der begabte Junge in die nahe Lateinschule Wiesensteig geschickt".

Vor allem wohl in seiner Zeit als Lehrer, wo er wie allgemein üblich den Organistendienst und den Chordienst übernahm, hat er Kirchenwerke "für alle gottesdienstlichen Bedürfnisse" geschrieben. Von diesen etwa 60 Werken konnte seine Tochter Cäcilia 20 erhalten.

Von seiner Tätigkeit als Schriftsteller wird berichtet, dass er etwa 100 Romane geschrieben hat. Rund 20 davon wurden in Zeitungen abgedruckt, wohl damals der Anfang der Fortsetzungsromane.

Im Jahr 1928 schrieb Carl Allmendinger in der "Schönen Zukunft" seine Selbstbiographie. Hier einige Auszüge:

"Felix Nabor werde ich genannt, ein Schwabe bin ich...

Meine Kunst aber wurzelt tief im Jugendlande, meine Eltern, die besten Sänger im Dorf, lehrten mich die alten, schönen Lieder unseres Volkes...

...Dem Volke zu dienen, es zu erheitern, zu belehren, zu trösten und aufzurichten, ihm den Weg zu den Idealen des Lebens zu zeigen, es für die höchsten Güter der Menschheit zu begeistern, es zu bessern, zu veredeln, den Adelsmenschen in ihm zu wecken:
Das erschien mir von jeher als die höchste und heiligste Aufgabe des Dichters."

Hermann Allmendinger

Hermann Allmendinger; der Kirchenmaler aus Mühlhausen Hermann Allmendinger wurde am 10. Oktober 1871 in Mühlhausen im Täle einer alt eingesessenen Familie geboren. Nach seiner Schulzeit erlernte er das Bäckerhandwerk. Da die Familie den Vater schon früh verloren hat, sah er sich verpflichtet, mit einem bodenständigen Beruf die Familie, die Mutter und seinen Bruder zu unterstützen. Viel lieber wäre es ihm gewesen, wenn er sich seiner Begabung nach im Malen hätte ausbilden können. Doch kurz vor dem Ende der Lehrzeit verließ er heulend die Backstube. Was war geschehen?

Das Malen und Zeichnen war schon immer sein Traum. Als der Bäckermeister eine Zeichnung in die Hände bekam und sich darauf erkannte, hat er seinen Lehrling windelweich geschlagen und Hermann hat fluchtartig die Backstube verlassen und kehrte nicht mehr zurück. Im darauf folgenden Frühjahr zog eine Gruppe Mühlhäuser Gipser, wie all jährlich nach Nürnberg, wo es für diesen Berufsstand genügend Arbeit gab. Der junge Allmendinger schloss sich der Gruppe an und ging mit nach Nürnberg in eine Umgebung, die er so noch nicht erlebt hat. Die Arbeit als Gipsergehilfe war schwer, aber die Eindrücke wie die Häuser, Kirchen und Museen mit den Werken alter Meister haben ihn so begeistert, dass er die Last der Arbeit fast überwunden hat. Mit seinem ersten verdienten Geld kaufte er sich ein Skizzenbuch und erfasst mit malerischer Leichtigkeit so manches, was ihm vor die Augen kam. Sein Wissensdurst und seine Begabung zum Bildhaften und Zeichnerischen hat hier neuen Auftrieb bekommen. Als er nach seinem Nürnberger Aufenthalt wieder im beschaulichen Ort Mühlhausen war und von den Erlebnissen der Stadt erzählte, begann er um 1891 bei seinem Onkel in Deggingen eine Mahlerlehre. Genau das war danach der entscheidende Schritt, um mit diesem Grundwissen in die Malschule Siebenrock in Stuttgart zu wechseln. Siebenrock erkannte in ihm das Talent und förderte ihn in der Kunst der Malerei. Schon bald beauftragte ihn der Meister mit Renovierungsaufträgen in Kirchen in der Umgebung und im Oberland. Im Jahre 1898 war es dann so weit, Hermann Allmendinger erhielt vom Meister Siebenrock den Meisterbrief.

Nun war ihm der Weg für eigenständiges Arbeiten frei. Auf eigenen Füßen zu stehen, eigenes Geld zu verdienen war für Hermann Allmendinger nun auch die Entscheidung, eine eigene Familie zu gründen. 1901 heiratete er Johanna Alt aus Gosbach. Aus der Ehe gingen sieben Kinder hervor. Noch einmal unternahm er einen Anlauf, seinen Grundstock für die Mal- und Zeichentechnik zu optimieren und besuchte die Kunstakademie in Stuttgart. Meister Allmendinger bemühte sich um Aufträge für Kirchenmalerei im Täle und in der weiteren Umgebung. Neben dieser Art von Malerei schmückten nun auch Fresken die Gebäude in Mühlhausen und in den nahegelegenen Orten, die er auf seine Art und Weise ausführte.

Noch heute sind vielerorts seine Arbeiten in Kirchen und in den Wohnstuben zu bewundern. Neben der Malerei hat Hermann Allmendinger sich auch der Fotografie verschrieben. In seinem Atelier hat er sich neben der Malerei auch einen Raum für die Fotografie eingerichtet und mit zu ihm passender zeitgenössischer Ausgestaltung bemalt, um Personen auf Papier zu zaubern. Der erste Weltkrieg verlangte auch ihm seine Dienste ab, doch glücklicherweise hat er diesen Militäreinsatz schadlos überstanden. Nach den Kriegsjahren hat sich Allmendinger wieder mit voller Kraft und Leidenschaft der Malerei zugewandt. Die Kirchenmalerei dürfte seine Schaffenskraft nicht voll ausgefüllt haben.

So verwendete er seine übrige Zeit mit Bildmalerei von Dorfansichten, Landschaften, Personen und Darstellungen aus der Geschichte der Helfensteiner, die ehemals die Herrschaft um Wiesensteig innehatten. Seine letzte Arbeit waren größere Fresken in der Kirche zu Oggelsbeuren. Nach Fertigstellung des Auftrags schrieb er an seinen Sohn Hermann, dass er sich nun auf den Heimweg machen werde. Die Heimat sah er nicht mehr. Hermann Allmendinger starb am 16. Mai 1926 auf dem Weg von Oggelsbeuren nach Biberach. Ein Gedenkstein erinnert noch vor Ort an den begabten Kirchenmaler. Seine letzte Ruhestätte fand er auf dem Friedhof in Mühlhausen.

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